Was verraten Tagebücher über die Entstehung von Kunst, das Arbeitsleben und die Geschichte eines Wiener Bezirks? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Tagebuchtage 2011 in Ottakring und der Brigittenau. Am 16. November waren im Café Club International acht künstlerische Positionen zum Thema „Kunst ist Arbeit – Arbeit ist Kunst“ angekündigt. Am 20. November rückten in der Osteria Allora am Wallensteinplatz persönliche Erinnerungen, Fotografien und historische Berichte aus der Brigittenau in den Mittelpunkt. Die beiden Veranstaltungen gehörten zum österreichweiten Tagebuchtag, den Traute Molik-Riemer 2006 ins Leben gerufen hatte. Ein historischer Rückblick auf die Beteiligten, ihre Projekte und die Idee hinter dieser besonderen Verbindung von Literatur und bildender Kunst.
Tagebuchtage Wien 2011 – die wichtigsten Fakten:
- 16. November 2011, 19 Uhr: „werk.protokolle“ im Café Club International, Payergasse 14, 1160 Wien-Ottakring.
- 20. November 2011, 20 Uhr: „Leben und Arbeiten in der Brigittenau“ in der Osteria Allora, Wallensteinplatz 5–6, 1200 Wien.
- Organisation der beiden Wiener Beiträge: Verein ::kunst-projekte::.
- Übergeordnete Initiative: Österreichweiter Tagebuchtag, gegründet von Traute Molik-Riemer.
- Kulturelle Schwerpunkte: Künstlerische Werkprotokolle, Tagebücher, Fotografie, bildende Kunst, persönliche Erinnerungen und Wiener Bezirksgeschichte.
- Status: Historische Veranstaltungen aus November 2011. Keine aktuellen Veranstaltungstermine.
Zwei Wiener Bezirke, zwei Perspektiven auf das Tagebuch
Die Tagebuchtage 2011 machten sichtbar, wie unterschiedlich persönliche und berufliche Aufzeichnungen eingesetzt werden können. Im Mittelpunkt standen nicht ausschließlich klassische Tagebücher mit täglichen Erlebnissen und Gedanken. Auch fotografische Langzeitprojekte, künstlerische Arbeitsprozesse, berufliche Aufzeichnungen und historische Reportagen wurden als Formen der Dokumentation aufgegriffen.
Die beiden vom Verein ::kunst-projekte:: organisierten Wiener Programmpunkte verfolgten unterschiedliche Ansätze.
In Ottakring ging es vor allem um die Frage, wie Kunst entsteht und welche Arbeit hinter einem fertigen Werk steckt. In der Brigittenau standen dagegen persönliche Perspektiven und die Geschichte des Arbeits- und Alltagslebens eines Wiener Bezirks im Vordergrund.
| Merkmal | Ottakring | Brigittenau |
|---|---|---|
| Datum | Mittwoch, 16. November 2011 | Sonntag, 20. November 2011 |
| Beginn | 19 Uhr | 20 Uhr |
| Veranstaltungsort | Café Club International C.I. | Osteria Allora |
| Adresse | Payergasse 14, 1160 Wien | Wallensteinplatz 5–6, 1200 Wien |
| Programmtitel | „werk.protokolle“ | „Leben und Arbeiten in der Brigittenau“ |
| Schwerpunkt | Entstehung künstlerischer Werke und Bedeutung von Arbeit | Erinnerungen, Fotografien und Bezirksgeschichte |
| Format | Künstlerische und literarische Werkpräsentationen | Beiträge im Rahmen der Reihe „bilder.worte.töne“ |
Eine zeitgenössische Veranstaltungsankündigung vom 13. Oktober 2011 dokumentiert das geplante Programm beider Abende. Das Veranstaltungsarchiv von ::kunst-projekte:: verzeichnet die Tagebuchtag-Termine im November 2011 ebenfalls.
Die Geschichte des österreichweiten Tagebuchtags
Die Tagebuchtage in Ottakring und der Brigittenau waren Teil einer größeren Kulturinitiative, die weit über Wien hinausreichte.
Die Wiener Künstlerin Traute Molik-Riemer initiierte das Projekt im Jahr 2006. Ziel war es, persönliche Lebensaufzeichnungen stärker in das kulturelle Bewusstsein zu rücken und Menschen zum Schreiben über eigene Erfahrungen zu ermutigen.
Das klassische Tagebuch stand dabei stellvertretend für unterschiedliche Formen biografischer Erinnerung: Briefe, autobiografische Texte, Erinnerungsberichte, Arbeitsaufzeichnungen und andere persönliche Dokumente.
Der Grundgedanke war, dass nicht nur literarisch bekannte Persönlichkeiten etwas für die Nachwelt festzuhalten haben. Auch die Erlebnisse gewöhnlicher Menschen können wichtige Einblicke in die Geschichte ihrer Zeit vermitteln.
Vom persönlichen Erinnerungsbuch zur öffentlichen Kulturveranstaltung
Durch Lesungen, Ausstellungen und lokale Kulturprogramme bekamen private Aufzeichnungen eine öffentliche Bühne.
Der Tagebuchtag wurde zu einer jährlich im November veranstalteten Initiative mit Beiträgen unterschiedlicher Institutionen. Rückblicke des Bezirksmuseums Rudolfsheim-Fünfhaus dokumentieren Veranstaltungen in verschiedenen Teilen Österreichs und einzelne Beiträge in Deutschland.
Die Beteiligung von ::kunst-projekte:: erweiterte diese Idee um eine künstlerische Dimension. Das Tagebuch musste nicht ausschließlich aus geschriebenen Sätzen bestehen. Auch Fotografien, Skizzen und andere bildnerische Arbeiten konnten den Verlauf eines Lebens oder die Entstehung eines Werkes dokumentieren.
Gerade diese Öffnung für die bildende Kunst prägte die beiden Wiener Programmpunkte von 2011.
16. November 2011 in Ottakring: „Kunst ist Arbeit – Arbeit ist Kunst“
Der erste der beiden Abende war für Mittwoch, den 16. November 2011, um 19 Uhr im Café Club International in der Payergasse 14 angekündigt.
Das Programm trug den Titel „werk.protokolle“ und beschäftigte sich mit der Bedeutung von Arbeit in der Kunst.
Vier Künstlerinnen und vier Künstler sollten Einblick in ihre unterschiedlichen Arbeits- und Schaffensprozesse geben. Im Mittelpunkt stand nicht nur das fertige Werk, sondern auch der Weg dorthin.
Damit stellte das Konzept mehrere Fragen: Was zählt als künstlerische Arbeit? Welche Rolle spielen Planung, handwerkliche Umsetzung, Beobachtung und gedankliche Vorbereitung? Und wie lässt sich auch ein gescheiterter Versuch als Teil eines künstlerischen Prozesses dokumentieren?
Die Antworten sollten nicht in Form einer einzigen Theorie präsentiert werden. Vielmehr machte die Auswahl der acht Beteiligten deutlich, wie unterschiedlich sich Arbeit und Kreativität verbinden lassen.
Die acht angekündigten künstlerischen Beiträge
| Künstlerin oder Künstler | Projekt beziehungsweise Schwerpunkt laut Ankündigung |
|---|---|
| Wolfgang Bäuml | Humorvoll angelegtes Tagebuch eines angehenden Almführers mit fotografischer Begleitung |
| Elisabeth Bunka-Peklar | Monotypien mit Motiven aus Handwerk und Arbeitsprozessen |
| Sonja Henisch | Satirische Tagebucheinträge über eine gescheiterte Kulturvereinsgründung |
| Christian Kammerhofer | Bildserie „Splitter in einem Kinderleben“ mit Computertomographien als Teil der künstlerischen Gestaltung |
| Patrik Muchenberger | Fotografisches Langzeitprojekt „One year one shot per day“ |
| Herbert Pasiecznyk | Werkstätten-Aquarelle und ein Text über die Existenz als Künstler |
| Katharina Pichler | Dadaistisch beeinflusste Textbilder |
| Irene Pollak | Literarische Verarbeitung von Bautagesberichten und grafisch bearbeitete Baupläne |
Diese Übersicht rekonstruiert das angekündigte Programm aus der Presseaussendung des Vereins vom Oktober 2011. Sie ist keine nachträglich erstellte Liste bestätigter Einzelauftritte.
Christian Kammerhofer: „Splitter in einem Kinderleben“
Zu den angekündigten Teilnehmern in Ottakring gehörte der Künstler Christian Kammerhofer.
Sein Beitrag sollte sich mit Ereignissen der Kindheit beschäftigen, die für die Entwicklung eines Menschen prägend sein können.
Die Bildserie trug den Titel „Splitter in einem Kinderleben“. Laut der damaligen Projektbeschreibung arbeitete Kammerhofer mit Bildern auf Computertomographien.
Diese ungewöhnliche Verbindung von medizinischer Bildgebung und bildender Kunst eröffnete eine andere Form des autobiografischen Zugangs als ein klassisches handschriftliches Tagebuch.
Im Mittelpunkt standen Erinnerungen und emotionale Erfahrungen, die nicht zwingend in Worten ausgedrückt werden müssen.
Die Veranstaltungsankündigung hob hervor, dass Kammerhofer seine Gedanken ohne vorgängige Skizzen und Vorstudien unmittelbar künstlerisch umzusetzen versuchte.
Das machte den Beitrag für den Schwerpunkt über künstlerische Arbeitsprozesse besonders interessant: Die spontane Umsetzung einer emotionalen Erfahrung bildete selbst einen wesentlichen Bestandteil des Schaffens.
Welche Einzelwerke tatsächlich am Veranstaltungsabend präsentiert wurden und wie sie vor Ort angeordnet waren, lässt sich aus den verfügbaren Quellen nicht vollständig rekonstruieren.
Weitere besondere Künstlerprojekte in Ottakring
Patrik Muchenberger: Ein Jahr lang jeden Tag ein Foto
Ein weiteres Projekt mit dokumentarischem Charakter stammte von Patrik Muchenberger.
Unter dem Titel „One year one shot per day“ fotografierte er laut Programm zwischen Februar 2009 und Februar 2010 täglich um 13 Uhr einen Ausschnitt aus seiner unmittelbaren Umgebung.
Die einzelnen Fotografien wurden anschließend zu einem künstlerischen Werk zusammengeführt.
Das Projekt spielte mit der Frage, was Menschen als Arbeit wahrnehmen. Ist eine tägliche künstlerische Beobachtung ebenfalls Arbeit, wenn dabei kein herkömmliches wirtschaftliches Produkt entsteht?
Die fotografische Dokumentation bot eine Möglichkeit, Routine, Wahrnehmung und künstlerische Auswahl über einen längeren Zeitraum sichtbar zu machen.
Damit entsprach sie dem Gedanken eines Tagebuchs, obwohl sie nicht auf fortlaufende schriftliche Einträge angewiesen war.
Irene Pollak: Bautagesberichte werden zu Literatur
Irene Pollak brachte eine Verbindung zwischen ihrem Beruf als Architektin und ihrer künstlerischen Tätigkeit ein.
Sie verarbeitete Bautagesberichte aus ihrer beruflichen Praxis zu literarisch-assoziativen Texten. Ergänzend waren grafisch veränderte Baupläne angekündigt.
Aus ursprünglich funktionalen Dokumenten des Baugeschehens entstand damit ein Material für neue künstlerische Betrachtungen.
Gerade hier wird das Thema des Abends besonders deutlich: Schriftliche Protokolle, die zunächst einem rein beruflichen Zweck dienen, können durch Bearbeitung eine zweite Bedeutung als Kunstwerk erhalten.
Wolfgang Bäuml: Ein humorvolles Tagebuch aus der Bergwelt
Wolfgang Bäuml näherte sich dem Tagebuchthema mit Humor.
Sein Beitrag beschäftigte sich mit den Erfahrungen eines angehenden zertifizierten Almführers. Fotografien begleiteten die erzählten Erlebnisse mit der österreichischen Bergwelt.
Die Kombination aus persönlicher Beobachtung, humoristischer Verarbeitung und Bildmaterial verdeutlichte eine weitere Möglichkeit, Erlebnisse in Tagebuchform festzuhalten.
Sonja Henisch: Wenn Kulturarbeit scheitert
Sonja Henisch widmete sich dem Thema Arbeit aus einer anderen Perspektive.
Ihre satirischen Tagebucheinträge beschrieben Schwierigkeiten bei dem Versuch, einen Kulturverein zu gründen.
Im Mittelpunkt stand damit nicht der erfolgreiche Abschluss eines Projekts, sondern die Erfahrung des Scheiterns.
Das war ein wesentlicher Bestandteil des Programmschwerpunkts. Die Veranstalter wollten ausdrücklich auch den Umgang mit Arbeitsprozessen untersuchen, die nicht zum ursprünglich erhofften Ergebnis führen.
Handwerk, Werkstatt und experimentelle Textbilder
Die übrigen Beiträge ergänzten den Themenabend durch unterschiedliche künstlerische Techniken.
Elisabeth Bunka-Peklar beschäftigte sich in Monotypien mit Motiven aus Handwerk und Fertigung. Zu den angekündigten Beispielen gehörten Arbeitsvorgänge aus einer Gießerei.
Herbert Pasiecznyk rückte in seinen Werkstätten-Aquarellen die Staffelei als charakteristisches Werkzeug des künstlerischen Arbeitens in den Mittelpunkt. Ein ergänzender Text setzte sich mit der Frage auseinander, warum Menschen trotz wirtschaftlicher und persönlicher Unsicherheiten künstlerisch tätig sind.
Katharina Pichler präsentierte dadaistisch inspirierte Textbilder. Hier wurde Geschriebenes selbst zum visuellen Gestaltungselement. Zufall, Ironie und Abstraktion spielten laut Programm eine wichtige Rolle.
Gemeinsam machten diese unterschiedlichen Ansätze die Bandbreite des Ottakringer Konzepts sichtbar: Künstlerische Arbeit konnte sich als handwerkliche Tätigkeit, gedanklicher Prozess, dokumentarische Beobachtung oder experimenteller Umgang mit Sprache ausdrücken.
20. November 2011: „Leben und Arbeiten in der Brigittenau“
Vier Tage nach dem Ottakringer Abend folgte am Sonntag, dem 20. November 2011, die zweite Veranstaltung des Vereins.
Austragungsort war die Osteria Allora am Wallensteinplatz 5–6 im 20. Wiener Gemeindebezirk.
Die Veranstaltung war für 20 Uhr angekündigt und gehörte zur damaligen Lesereihe „bilder.worte.töne“.
Der Schwerpunkt unterschied sich bewusst vom Programm in Ottakring. Anstatt die Entstehung von Kunstwerken zu untersuchen, sollte es um die Geschichte und Gegenwart des Lebens im Bezirk gehen.
Persönliche Tagebuchnotizen, Fotografien und historische Texte wurden dabei zu unterschiedlichen Formen lokaler Erinnerung.
Ruth Dögl: Fotografien und „Tagebuch einer Bezirksrätin“
Ruth Dögl war mit Fotografien aus der Brigittenau angekündigt.
Sie sollte Bilder vom Leben und Arbeiten im Bezirk zeigen und aus ihrem „Tagebuch einer Bezirksrätin“ lesen.
Der Beitrag verband damit zwei Arten der Beobachtung: Fotografien hielten Orte, Menschen und Situationen fest, während persönliche Aufzeichnungen Einblicke in Erfahrungen mit dem öffentlichen und politischen Alltag ermöglichen sollten.
Das Thema passte zum Grundgedanken des Tagebuchtags, individuelle Perspektiven als Teil einer größeren Zeitgeschichte zu verstehen.
Annette Hexelschneider: Der Chirurg Lorenz Böhler
Annette Hexelschneider widmete ihren angekündigten Beitrag dem österreichischen Unfallchirurgen Lorenz Böhler.
Die in der Brigittenau lebende Autorin griff dafür auf einen Text aus ihrer „Wiener Porträt Galerie“ zurück.
Das Projekt beschäftigte sich mit Lebensgeschichten von Menschen, die in Wien gelebt, gearbeitet oder die Stadt besucht hatten.
Im Rahmen der Tagebuchtage stand somit nicht allein das persönliche Erinnern im Mittelpunkt. Auch die biografische Recherche über historische Persönlichkeiten wurde als Form der schriftlichen Dokumentation aufgegriffen.
Max Winter: Historische Reportagen über die Brigittenau
Den Blick in die Vergangenheit ergänzten Texte des Journalisten, Sozialreformers und späteren Wiener Vizebürgermeisters Max Winter.
Für die Veranstaltung waren Auszüge aus Zeitungsartikeln vorgesehen, die Winter bereits 1901 über die Brigittenau in der damaligen Arbeiter-Zeitung veröffentlicht hatte.
Diese Texte ermöglichten eine historische Gegenüberstellung mit den persönlichen und fotografischen Beiträgen aus dem 21. Jahrhundert.
Max Winter war dabei keine auftretende Person des Jahres 2011. Seine Jahrzehnte zuvor entstandenen Reportagen bildeten historisches Quellenmaterial für das angekündigte Programm.
Warum gerade Tagebücher für die Wiener Bezirksgeschichte interessant sind
Stadtgeschichte wird häufig anhand großer Ereignisse, bedeutender Bauwerke und bekannter Persönlichkeiten erzählt.
Persönliche Aufzeichnungen können dagegen zeigen, wie Menschen gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen im Alltag wahrgenommen haben.
Ein Tagebuch aus dem Arbeitsleben beschreibt möglicherweise Erlebnisse, die in offiziellen Berichten nicht vorkommen. Fotografische Beobachtungen halten Veränderungen von Straßen, Geschäften oder öffentlichen Räumen fest. Künstlerische Notizen dokumentieren die Entstehung einer Idee und die Entscheidungen auf dem Weg zum fertigen Werk.
Die Tagebuchtage 2011 verbanden diese Perspektiven miteinander.
Während in Ottakring das künstlerische Arbeiten und seine Dokumentation im Vordergrund standen, ging es in der Brigittenau besonders um lokale Erinnerungen und den Alltag eines Wiener Bezirks.
Der Bezug zu historischen Reportagen aus dem Jahr 1901 vergrößerte diesen zeitlichen Rahmen. So konnten schriftliche und fotografische Dokumente unterschiedlicher Epochen nebeneinander betrachtet werden.
Was ist ein Werktagebuch?
Ein Werktagebuch dokumentiert die Entstehung einer Arbeit. Anders als ein rein persönliches Tagebuch richtet es den Blick vor allem auf einen Arbeits- oder Schaffensprozess.
In der bildenden Kunst kann ein Werktagebuch beispielsweise Skizzen, Materialversuche, Notizen, Fotografien und Überlegungen enthalten. In der Architektur kommen Planungsstände, Bauabläufe und Projektaufzeichnungen hinzu.
Die Tagebuchtage 2011 verwendeten diesen Gedanken besonders offen.
| Form der Aufzeichnung | Was dokumentiert sie? | Bezug zu den Tagebuchtagen 2011 |
|---|---|---|
| Persönliches Tagebuch | Eigene Erlebnisse, Gedanken und Erinnerungen | Satirische und persönliche Texte |
| Werktagebuch | Schritte und Entscheidungen eines Schaffensprozesses | Projekte der Ottakringer Kunstschaffenden |
| Fototagebuch | Regelmäßige visuelle Beobachtungen | Langzeitprojekt von Patrik Muchenberger |
| Berufliches Protokoll | Vorgänge und Fortschritte bei der Arbeit | Literarisch bearbeitete Bautagesberichte von Irene Pollak |
| Historische Reportage | Beobachtungen von Menschen und gesellschaftlichen Verhältnissen | Texte von Max Winter aus dem Jahr 1901 |
Diese Gegenüberstellung ist eine redaktionelle Einordnung der damals dokumentierten Beiträge. Sie zeigt, weshalb das Veranstaltungsformat sowohl für Literaturinteressierte als auch für Kunstschaffende und Menschen mit Interesse an lokaler Geschichte relevant war.
Der Verein ::kunst-projekte:: und seine Wiener Veranstaltungsorte
Die beiden Abende gehörten zum Programm des Vereins ::kunst-projekte::, der Ausstellungen, Lesungen und weitere künstlerische Veranstaltungen organisierte.
Das Café Club International war bereits seit 2006 ein regelmäßig bespielter Ort für die kulturellen Aktivitäten des Vereins.
Für das Jahr 2011 dokumentiert die Vereinschronik neben den Tagebuchtagen zahlreiche weitere Präsentationen, Lesungen und Ausstellungen.
Auch das Thema Arbeit hatte innerhalb der damaligen Jahresaktivitäten einen breiteren Stellenwert. So fand bereits vom 17. September bis 11. Oktober 2011 die Ausstellung „ARBEIT[S]LEBEN – otta.kring“ mit Arbeiten von Irene Dlabaja und Walter Csuvala statt.
Diese Ausstellung war eine eigenständige Veranstaltung und nicht Teil des Novemberprogramms der Tagebuchtage. Sie verdeutlicht aber, dass der Verein die Verbindung zwischen Kunst, Arbeit und gesellschaftlichen Fragen über einen längeren Zeitraum behandelte.
Die zweite Tagebuchtag-Veranstaltung am Wallensteinplatz war wiederum in die Lesereihe „bilder.worte.töne“ eingebettet, die bildende Kunst und Literatur zusammenführte.
Wie entwickelte sich die Tagebuchtag-Idee nach 2011?
Die Wiener Veranstaltungen waren keine einmalige Aktion. Der Verein ::kunst-projekte:: verzeichnet in seiner Chronik auch in mehreren folgenden Jahren Veranstaltungen zum Tagebuchtag.
Die österreichweite Initiative von Traute Molik-Riemer bestand laut späteren Rückblicken bis 2016 in ihrer ursprünglichen organisierten Form.
Danach führten einzelne Kultureinrichtungen den Grundgedanken eigenständig weiter.
Ein dokumentiertes Beispiel ist das Bezirksmuseum Rudolfsheim-Fünfhaus. Dort wurde die Arbeit der Initiatorin aufgegriffen und ab 2021 unter der Bezeichnung „Traute Molik-Riemer Tagebuchtag“ fortgesetzt.
Auch ::kunst-projekte:: nennt auf seiner heutigen Website spätere Formate, die sich mit persönlichen Lebenslinien und schriftlichen oder bildnerischen Erinnerungen beschäftigen.
Wichtig: Diese Folgeaktivitäten belegen die kulturelle Weiterentwicklung der Idee. Sie bedeuten nicht, dass das konkrete Veranstaltungsprogramm vom 16. und 20. November 2011 heute noch angeboten wird.
Was sich über den tatsächlichen Verlauf von 2011 belegen lässt
Für die Tagebuchtage 2011 sind die beiden Wiener Termine, ihre Veranstaltungsorte, die thematischen Schwerpunkte und die geplanten Beiträge durch zeitgenössische Veröffentlichungen belegt.
Die Vereinschronik führt beide Veranstaltungen zudem ausdrücklich in ihrem Jahresrückblick auf.
Eine vollständige unabhängige Dokumentation sämtlicher tatsächlich gehaltener Lesungen, der ausgestellten Einzelwerke und der Besucherzahlen liegt in den ausgewerteten Quellen jedoch nicht vor.
Der vorliegende historische Rückblick unterscheidet deshalb zwischen dem damals angekündigten Programm und den langfristig dokumentierten Veranstaltungsaktivitäten.
Auch Angaben zu damaligen Eintrittspreisen werden nicht ergänzt, solange sie für die konkreten Termine nicht zuverlässig nachweisbar sind.
Fazit: Die Tagebuchtage 2011 verbanden Kunst und Erinnerung
Die Tagebuchtage im November 2011 zeigen, wie vielseitig sich das Tagebuch als kulturelle Ausdrucksform einsetzen lässt.
Im Café Club International in Ottakring stand die Entstehung künstlerischer Arbeiten im Mittelpunkt. Acht angekündigte Beiträge reichten von fotografischen Langzeitbeobachtungen und Textbildern bis zu satirischen Aufzeichnungen über Kulturarbeit und ungewöhnlichen bildnerischen Erinnerungsprojekten.
Die zweite Veranstaltung am Wallensteinplatz richtete den Blick auf die Brigittenau. Persönliche Aufzeichnungen, Fotografien und historische Reportagen sollten unterschiedliche Facetten des Lebens und Arbeitens im Bezirk sichtbar machen.
Beide Abende gehörten zu einem österreichweiten Kulturprojekt, das seit 2006 die Bedeutung persönlicher Erinnerungen und Lebensaufzeichnungen hervorhob.
Der Rückblick bewahrt damit nicht nur zwei Wiener Veranstaltungstermine. Er dokumentiert auch eine besondere Verbindung zwischen Literatur, bildender Kunst und lokaler Alltagsgeschichte.
Häufige Fragen zu den Tagebuchtagen Wien 2011
Wann fanden die Tagebuchtage 2011 in Wien statt?
Die beiden hier dokumentierten Veranstaltungen waren für den 16. November 2011 in Ottakring und den 20. November 2011 in der Brigittenau angesetzt. Sie gehörten zum österreichweiten Tagebuchtag.
Wo fanden die Tagebuchtage 2011 statt?
Der Ottakringer Beitrag fand im Café Club International, Payergasse 14, 1160 Wien, statt. Der zweite Abend wurde in der Osteria Allora am Wallensteinplatz 5–6, 1200 Wien, veranstaltet.
Wer organisierte die Tagebuchtage 2011?
Die beiden Wiener Kulturabende wurden vom Verein ::kunst-projekte:: gestaltet. Sie waren Teil der österreichweiten Tagebuchtag-Initiative von Traute Molik-Riemer.
Wer nahm am Ottakringer Programm teil?
Angekündigt waren Wolfgang Bäuml, Elisabeth Bunka-Peklar, Sonja Henisch, Christian Kammerhofer, Patrik Muchenberger, Herbert Pasiecznyk, Katharina Pichler und Irene Pollak.
Welche Arbeit zeigte Christian Kammerhofer?
Christian Kammerhofer war mit der Serie „Splitter in einem Kinderleben“ angekündigt. Die Projektbeschreibung stellte emotionale und prägende Kindheitserfahrungen sowie die künstlerische Arbeit mit Computertomographien in den Mittelpunkt.
Was war das Thema der Tagebuchtage in der Brigittenau?
Der Abend behandelte das Leben und Arbeiten im 20. Wiener Gemeindebezirk. Geplant waren Fotografien und Tagebuchauszüge von Ruth Dögl, ein biografischer Beitrag von Annette Hexelschneider und historische Texte von Max Winter.
Wer gründete den österreichweiten Tagebuchtag?
Die Wiener Künstlerin Traute Molik-Riemer initiierte den österreichweiten Tagebuchtag im Jahr 2006. Das Projekt sollte Menschen zum Festhalten persönlicher Erinnerungen motivieren und Lebensaufzeichnungen öffentlich sichtbar machen.
Gibt es die Tagebuchtage heute noch?
Die ursprüngliche österreichweite Initiative wurde laut späteren Rückblicken bis 2016 organisiert. Einzelne Einrichtungen führten die Idee anschließend in eigenen Formaten weiter. Das konkrete Wiener Programm von November 2011 ist eine abgeschlossene historische Veranstaltung.
Was bedeutet „Kunst ist Arbeit – Arbeit ist Kunst“?
Das Motto stellte die Arbeit hinter einem Kunstwerk in den Vordergrund. Die Beiträge thematisierten unter anderem handwerkliche Prozesse, gedankliche Vorbereitung, tägliche Beobachtung, berufliche Aufzeichnungen und das Scheitern künstlerischer Vorhaben.
Quellen und weiterführende Informationen
Dieser historische Rückblick beruht auf der ursprünglichen Veranstaltungsankündigung vom 13. Oktober 2011, dem Veranstaltungsarchiv des Vereins ::kunst-projekte:: und ergänzenden Dokumentationen zur Geschichte des österreichweiten Tagebuchtags. Die Quellen unterscheiden zwischen angekündigtem Programm, archivierten Veranstaltungsterminen und späteren historischen Rückblicken. Recherchestand: 21. Oktober 2026.
- Verein ::kunst-projekte:: – Originalankündigung der Tagebuchtage 2011: Zeitgenössische Presseaussendung vom 13. Oktober 2011 mit den vollständigen künstlerischen Projektbeschreibungen. Zentrale Quelle für beide Veranstaltungstermine, Adressen, den Schwerpunkt „Kunst ist Arbeit – Arbeit ist Kunst“ sowie die acht angekündigten Beiträge in Ottakring und das Programm der Brigittenau.
- Vienna.at – Wort- und bildreiche Tagebuchtage 2011: Zeitgenössische regionale Veröffentlichung vom 13. Oktober 2011. Bestätigt die Veranstaltungsreihe und dokumentiert insbesondere die Beteiligten, Themen und Veranstaltungsdaten in der Brigittenau. Inhaltlich weitgehend auf der damaligen Veranstaltungsinformation beruhend.
- ::kunst-projekte:: – Historische Veranstaltungschronik: Langjähriges Vereinsarchiv mit beiden Tagebuchtag-Terminen im November 2011. Dokumentiert die Einordnung in die Veranstaltungsaktivitäten des Vereins und die Fortsetzung des Formats in den Folgejahren.
- ::kunst-projekte:: – Geschichte des Café Club International als Ausstellungsort: Informationen zur langjährigen Kulturarbeit des Vereins im Café Club International in Ottakring. Hintergrundquelle für den Veranstaltungsort und die Entwicklung der dortigen Literatur- und Kunstprogramme.
- basis wien – „ARBEIT[S]LEBEN – otta.kring“ 2011: Kunstdatenbankeintrag zur eigenständigen Ausstellung von Irene Dlabaja und Walter Csuvala im September und Oktober 2011. Dokumentiert den größeren thematischen Zusammenhang von Kunst und Arbeit innerhalb der damaligen Ottakringer Kulturszene, nicht einen Bestandteil der November-Tagebuchtage.
- Bezirksmuseum Rudolfsheim-Fünfhaus – Geschichte der Tagebuchtage: Rückblick von 2021 auf Traute Molik-Riemer und den österreichweiten Tagebuchtag. Quelle zur Gründung 2006, zur Entwicklung bis 2016 und zur späteren Fortführung durch einzelne Kulturinstitutionen.
- Land Niederösterreich – Tagebuchtag als österreichweite Kulturinitiative: Amtliche Veranstaltungsinformation zu früheren Tagebuchtag-Aktivitäten. Ergänzende zeitgenössische Quelle zur überregionalen Bedeutung der Initiative und zu ihrer Ausrichtung auf persönliche Lebensaufzeichnungen.