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Veranstaltungsorte

Buch & Wein in Wien: 500 Lesungen und der Beginn der Wiener Kriminacht

averanstaltungen
aktualisiert: 9. Oktober 2026 14:42
Symbolbild einer Autorenlesung im Wiener Antiquariat mit Bücherregalen, Wein und Publikum – Rückblick auf Buch & Wein in Wien.
Buch & Wein Wien – Historische Lesungen im Antiquariat Buch & Wein in Wien: Zwischen 1998 und 2006 fanden im ehemaligen Antiquariat rund 500 Lesungen und Literaturveranstaltungen statt. KI-generierte Symbolillustration.

500 Lesungen in acht Jahren, zahlreiche bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller und die Geburtsstunde der Wiener Kriminacht: Das Antiquariat „Buch & Wein“ in der Schäffergasse 13a in Wien-Wieden war von 1998 bis 2006 ein besonderer Schauplatz der Wiener Literaturszene. Richard Jurst verband antiquarische Bücher, Literaturveranstaltungen und den persönlichen Austausch in einem kleinen Kellerlokal. H. C. Artmann, Peter Rosei, Ulrich Plenzdorf, Arnold Stadler, Robert Schindel und viele weitere Autoren waren Teil des Programms. Ein historischer Rückblick auf Lesungen, Buchpremieren und die Bedeutung eines heute verschwundenen Veranstaltungsortes.

Buch & Wein im Überblick: Das ehemalige Antiquariat befand sich in der Schäffergasse 13a, 1040 Wien. Betreiber und Literaturveranstalter war Richard Jurst. Zwischen 1998 und 2006 fanden dort rund 500 Lesungen statt. Besonders bemerkenswert: Am 21. November 2002 wurde im Antiquariat die erste Wiener Kriminacht veranstaltet. Die frühere Internetadresse lautete buchundwein.at.

Ein Antiquariat als Veranstaltungsort: Die Geschichte von Buch & Wein

Literaturveranstaltungen müssen nicht in großen Theatern oder repräsentativen Sälen stattfinden. Das bewies das Wiener Antiquariat Buch & Wein über viele Jahre hinweg. In einem Souterrainlokal im vierten Wiener Gemeindebezirk entwickelte Richard Jurst ab 1998 eine ungewöhnlich umfangreiche Reihe von Autorenlesungen.

Das Konzept war ebenso einfach wie wirkungsvoll: Bücher sollten nicht nur gekauft und gelesen, sondern gemeinsam erlebt werden. Autorinnen und Autoren konnten ihre Texte vortragen, mit dem Publikum ins Gespräch kommen und neue Veröffentlichungen vorstellen.

Auch der Name des Antiquariats spiegelte die Atmosphäre wider. „Buch & Wein“ verband die Beschäftigung mit Literatur mit dem geselligen Charakter eines Kulturabends.

Ein späterer Rückblick der Tageszeitung Der Standard dokumentierte insgesamt 500 Lesungen zwischen 1998 und 2006. Umgerechnet auf die achtjährige Veranstaltungszeit entspricht das durchschnittlich mehr als einer Lesung pro Woche.

Damit war das Antiquariat nicht einfach ein Geschäft mit gelegentlichem Rahmenprogramm. Die Literaturveranstaltungen bildeten einen wesentlichen Bestandteil seines kulturellen Profils.

Richard Jurst: Der Veranstalter hinter den 500 Lesungen

Eng verbunden mit Buch & Wein war Richard Jurst, der als Buchhändler, Antiquar und Literaturveranstalter tätig war.

Seine Rolle ging über die Bereitstellung von Räumlichkeiten hinaus. Jurst organisierte Lesungen, führte Autorinnen und Autoren ein, arbeitete mit literarischen Einrichtungen zusammen und ermöglichte auch Veranstaltungen außerhalb des eigenen Antiquariats.

Dass das Programm über einen längeren Zeitraum hinweg Bestand hatte, zeigen nicht nur Zeitungsankündigungen. Auch die offiziellen Kunstberichte der Republik Österreich führten das Antiquariat beziehungsweise Richard Jurst wiederholt als Empfänger von Förderungen für Literaturveranstaltungen.

Schon für 1999 sind Lesungen mit bekannten österreichischen Autoren dokumentiert. In den Kunstberichten der Jahre 2002, 2003 und 2006 finden sich weitere Einträge zum Literatur- beziehungsweise Jahresprogramm.

Die öffentliche Förderung ist ein wichtiger historischer Beleg: Buch & Wein war als Literaturveranstalter in der österreichischen Kulturlandschaft institutionell wahrnehmbar.

Welche Autorinnen und Autoren lasen bei Buch & Wein in Wien?

Das Programm umfasste unterschiedliche literarische Strömungen. Neben bekannten Namen der österreichischen Gegenwartsliteratur waren internationale Gäste, Krimiautorinnen und Krimiautoren, Lyriker sowie Künstler aus den Bereichen Sprachperformance und Musik vertreten.

Robert Schindel, Doron Rabinovici und Robert Menasse

Bereits der offizielle Kunstbericht 1999 dokumentiert, dass Buch & Wein Lesungen mit mehreren prominenten Autoren organisierte.

Namentlich angeführt werden:

  • Robert Schindel: österreichischer Schriftsteller, dessen Arbeiten sich unter anderem mit jüdischer Geschichte, Erinnerung und gesellschaftlichen Entwicklungen beschäftigen.
  • Doron Rabinovici: Schriftsteller und Essayist, der historische und gesellschaftspolitische Fragestellungen literarisch bearbeitet.
  • Milo Dor: österreichischer Schriftsteller mit einem umfangreichen erzählerischen und kulturvermittelnden Werk.
  • Vladimir Vertlib: Schriftsteller, dessen Texte sich unter anderem mit Migration, Identität und Zugehörigkeit auseinandersetzen.
  • Robert Menasse: Romancier und Essayist, der durch seine literarischen und gesellschaftspolitischen Arbeiten bekannt wurde.
  • Reinhard P. Gruber: österreichischer Schriftsteller mit einer eigenständigen, vielfach humoristisch-satirischen Erzählweise.

Die Autoren werden im amtlichen Bericht ausdrücklich im Zusammenhang mit geförderten Lesungen genannt. Einzelne Veranstaltungstage sind darin allerdings nicht für alle Auftritte ausgewiesen.

Schon diese frühe Dokumentation macht die Spannweite des Programms deutlich: Zeitgenössische Literatur und gesellschaftliche Themen hatten im Antiquariat ebenso Platz wie experimentelle und unterhaltende Texte.

10. Juli 2000: H. C. Artmann und Peter Rosei

Ein außergewöhnlicher Literaturabend fand am 10. Juli 2000 statt. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Club Poétique“ lasen H. C. Artmann und Peter Rosei aus ihren poetischen Werken.

Die Veranstaltung wurde gemeinsam mit der Grazer Autorinnen Autorenversammlung organisiert und war Teil des Jubiläumsprogramms zum 25-jährigen Bestehen des Literaturprogramms der Alten Schmiede.

Auch die Musik spielte eine wichtige Rolle: Gitarrist Alfred Polansky und Mezzosopranistin Stella Grigorian gestalteten den Abend mit Vertonungen von Gedichten der beiden Autoren.

Die zeitgenössische Programmankündigung empfahl ausdrücklich eine telefonische Reservierung. Das zeigt, dass die räumlich begrenzte Veranstaltung als besonderer Literaturtermin geplant war.

Gerade diese Verbindung aus Lesung, Musik und persönlicher Atmosphäre charakterisierte das vielseitige Programm von Buch & Wein.

23. Februar 2005: Ulrich Plenzdorf im Wiener Souterrain

Auch international bekannte Autoren waren zu Gast. Am 23. Februar 2005 kündigte Der Standard einen Auftritt des deutschen Schriftstellers Ulrich Plenzdorf an.

Plenzdorf war insbesondere durch seinen Roman „Die neuen Leiden des jungen W.“ sowie durch Drehbucharbeiten bekannt. Bei Buch & Wein stand seine Sammlung „Ich sehn‘ mich so nach Unterdrückung“ im Mittelpunkt.

Der angekündigte Abend begann um 19:30 Uhr und widmete sich einer weniger bekannten Seite des Autors: seinen Liedtexten, Chansons und Moritaten.

Die Veranstaltung verdeutlicht, dass das Antiquariat nicht nur traditionelle Romanlesungen präsentierte, sondern auch literarische Formen zwischen Erzählung, Musik und Theater.

19. Mai 2005: Arnold Stadler und „Mein Stifter“

Wenige Monate später war der deutsche Schriftsteller Arnold Stadler im Antiquariat angekündigt. Der Georg-Büchner-Preisträger stellte seine Beschäftigung mit Adalbert Stifter vor.

Ausgangspunkt war sein Buch „Mein Stifter“, das sich mit dem Leben und Werk des österreichischen Schriftstellers auseinandersetzt.

Stadler verband persönliche Leseerfahrungen mit literarischer Betrachtung und biografischen Überlegungen. Auch dieser Auftritt wurde in der Wiener Tagespresse angekündigt.

Das Beispiel steht für einen weiteren Schwerpunkt von Buch & Wein: Veranstaltungen, bei denen Literatur selbst zum Gegenstand der Auseinandersetzung wurde.

Die erste Wiener Kriminacht begann bei Buch & Wein

Zu den bedeutendsten Ereignissen in der Geschichte des Antiquariats gehört der 21. November 2002.

An diesem Tag fand bei Buch & Wein die erste Wiener Kriminacht statt. Was damals in einem kleinen Literaturkeller begann, entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer wesentlich größeren Veranstaltungsreihe.

Sabina Naber und Andreas Pittler als Initiatoren

Der Schriftsteller Andreas Pittler erinnerte sich 2016 in einem Interview mit dem Literaturblog Books in Vienna an die Anfänge der Kriminacht.

Demnach hatten er und die Krimiautorin Sabina Naber bereits 2001 die Idee entwickelt, österreichischen Kriminalromanen eine stärkere öffentliche Bühne zu bieten.

Die beiden wollten sichtbar machen, wie vielseitig die heimische Kriminalliteratur war. Dabei ging es nicht ausschließlich um spannende Unterhaltung, sondern auch um gesellschaftliche und politische Themen.

Die erste gemeinsame Veranstaltung im November 2002 fand im Antiquariat Buch & Wein statt. Das Ereignis bildete den Ausgangspunkt für weitere Kriminächte in Wien.

Historischer Meilenstein: Die erste Wiener Kriminacht am 21. November 2002 fand bei Buch & Wein statt. Diese Verbindung ist durch einen späteren Rückblick mit dem Mitinitiator Andreas Pittler dokumentiert. Das Antiquariat war damit Schauplatz der ersten Ausgabe einer Veranstaltungsreihe, die später weit über diesen ursprünglichen Veranstaltungsort hinauswuchs.

Vom Literaturkeller zur Kriminacht im Wiener Kaffeehaus

Nach dem ersten Abend veränderte sich das Veranstaltungskonzept schrittweise.

Die zweite Kriminacht fand im Bellaria Kino statt, die dritte 2004 im Wiener Jazzclub Porgy & Bess.

Bei der Veranstaltung im Porgy & Bess wurde Christian Pöttler vom Echo-Medienhaus auf das Format aufmerksam. In weiterer Folge übernahm die Agentur Echomedia die Organisation und entwickelte die dezentrale Kriminacht im Wiener Kaffeehaus.

Im November 2005 wurde bereits die vierte Wiener Kriminacht veranstaltet. Sabina Naber dokumentierte auf ihrer eigenen Website ihre Teilnahme an dieser ersten Ausgabe im erweiterten Kaffeehausformat.

Die Veranstaltung setzte nun stärker auf mehrere Spielorte, bekannte internationale Namen und die besondere Atmosphäre Wiener Kaffeehäuser.

Der Ausgangspunkt blieb jedoch die ursprüngliche Initiative im Antiquariat Buch & Wein.

Warum die Kriminacht für Wien wichtig wurde

Die Geschichte der Wiener Kriminacht zeigt exemplarisch, welche Impulse von kleinen, unabhängigen Veranstaltungsorten ausgehen können.

Ein Literaturabend, der zunächst eine begrenzte Zahl von Menschen in einem Antiquariat zusammenbrachte, entwickelte sich zu einem stadtweiten Veranstaltungsformat.

Auch die Sichtbarkeit österreichischer Krimiautorinnen und Krimiautoren veränderte sich. Die Kriminacht bot eine gemeinsame Plattform für unterschiedliche Schreibstile und machte Kriminalliteratur als eigenständigen Teil des Wiener Kulturprogramms erlebbar.

Der historische Beitrag von Buch & Wein bestand deshalb nicht nur in der Bereitstellung einer Bühne. Das Antiquariat ermöglichte die erste öffentliche Umsetzung einer Idee, die anschließend von weiteren Kulturveranstaltern aufgegriffen wurde.

Weitere dokumentierte Lesungen und Kulturveranstaltungen

Die erhaltenen Veranstaltungskalender, Autorenarchive und Medienberichte ermöglichen einen Einblick in das Programm zwischen 1999 und 2006.

Die folgende Auswahl enthält ausschließlich Veranstaltungen, für die sich ein konkreter Quellenbeleg finden lässt. Sie erhebt keinen Anspruch darauf, alle 500 Lesungen abzubilden.

Datum Autor:innen und Veranstaltung Besonderheit
1999 Robert Schindel, Doron Rabinovici, Milo Dor, Vladimir Vertlib, Robert Menasse und Reinhard P. Gruber Im amtlichen Kunstbericht dokumentierte Autorenlesungen; die einzelnen Tage werden nicht vollständig genannt.
31. Mai 1999 „Weinlesung“ des Literarischen Duetts Frühe, im Archiv der Künstler dokumentierte Lesung im Antiquariat.
10. Juli 2000 H. C. Artmann und Peter Rosei „Club Poétique“ mit musikalischer Begleitung, veranstaltet im Rahmen des Jubiläums der Alten Schmiede.
7. November 2000 Obiora C-Ik Ofoedu Präsentation des Lyrikbandes „Geistauge“.
21. Februar 2001 Literarisches Duett Lesung „Am Weg zum Mistplatz“.
13. Mai 2002 Margit Bartfeld-Feller und Hedwig Brenner Literarische Veranstaltung über Erinnerung, Exil und jüdische Geschichte.
21. November 2002 Erste Wiener Kriminacht Beginn der späteren Wiener Kriminacht-Veranstaltungsreihe.
28. November 2002 Valeri Scherstjanoi Deutsch-russisches Lautkonzert mit Einführung durch Lucas Cejpek.
30. Oktober 2003 Peter M. Schuster, Lothar Riedl und Johann Winkler Literarisch-wissenschaftlicher Abend zu Christian Doppler.
2004 Christian Reiner und Achim Tang Performance zu Texten von Ernst Herbeck mit Stimme und Kontrabass.
23. Februar 2005 Ulrich Plenzdorf Vorstellung seiner Sammlung „Ich sehn‘ mich so nach Unterdrückung“.
8. März 2005 Edith Binderhofer Buchpräsentation über Lebensgeschichten asiatischer Frauen in Wien.
15. März 2005 Sabina Naber Präsentation des Romans „Die Debütantin“ mit Frizz Fischer.
19. Mai 2005 Arnold Stadler Literaturabend über Adalbert Stifter und das Buch „Mein Stifter“.
26. September 2005 Rudolf Kraus Präsentation von „aus der seele brennen“ mit Bildern von Kurt Giovanni Schönthaler.
5. Mai 2006 Jubiläumslesung bei Buch & Wein Feier zur 500. Lesung mit mehreren Mitwirkenden, darunter Helmut Peschina.

Die Auswahl verdeutlicht die große inhaltliche Bandbreite: Die Programmpunkte reichten von Lyrik und Erzählungen über historische Themen und experimentelle Sprachkunst bis zur Kriminalliteratur.

Literatur aus dem Exil: Erinnerungen an Czernowitz

Ein besonderer Programmpunkt fand am 13. Mai 2002 statt. An diesem Abend wurden die Autorin Margit Bartfeld-Feller und die Kunsthistorikerin Hedwig Brenner im Antiquariat vorgestellt.

Die beiden beschäftigten sich in ihren Arbeiten mit jüdischer Geschichte, Erinnerung und kulturellem Leben, insbesondere im Zusammenhang mit Czernowitz.

Die Veranstaltung wurde von Lucas Cejpek und Margret Kreidl moderiert. Beide hatten den Kontakt zu den Autorinnen im Zuge einer früheren Reise geknüpft und anschließend gemeinsam mit Konstantin Kaiser und Richard Jurst an der Wiener Buchpräsentation mitgewirkt.

In einem später veröffentlichten Gespräch erinnerten sich Cejpek und Kreidl ausdrücklich an den 13. Mai 2002 als erste Lesung der beiden Frauen in Wien.

Dieser Abend zeigt eine weitere Funktion von Buch & Wein: Das Antiquariat bot nicht nur bereits etablierten literarischen Stimmen Raum, sondern ermöglichte auch internationale Begegnungen und die Präsentation weniger bekannter Lebensgeschichten.

Gerade bei Literatur über Exil, Verlust und Erinnerung ist die persönliche Begegnung zwischen Autorinnen und Publikum ein wichtiger Bestandteil der Vermittlung.

Mehr als klassische Lesungen: Musik, Performance und Diskussion

Neben Buchpremieren und Autorenlesungen gehörten experimentelle Formate zum Programm.

Sprachperformance mit Christian Reiner und Achim Tang

Ein Beispiel dafür war die Performance „Alles vielzusehr umsonst“, bei der der Stimmkünstler Christian Reiner Texte des Dichters Ernst Herbeck interpretierte.

Begleitet wurde er von Achim Tang am Kontrabass. Das Zusammenspiel aus Sprache, Stimme, Bewegung und Musik ging deutlich über die Form einer gewöhnlichen Lesung hinaus.

Ein in den Niederösterreichischen Nachrichten 2004 veröffentlichter Bericht würdigte diese Aufführung. Der Text ist auf der Website des Künstlers dokumentiert.

Die Veranstaltung machte deutlich, dass Buch & Wein auch Platz für experimentelle Literaturvermittlung und ungewöhnliche künstlerische Ausdrucksformen bot.

Ein deutsch-russisches Lautkonzert im November 2002

Am 28. November 2002 stand ein weiterer experimenteller Abend auf dem Programm.

Valeri Scherstjanoi präsentierte ein deutsch-russisches Lautkonzert. Die Einführung übernahm Lucas Cejpek. Der historische Termin ist in einem Newsletter des damaligen Kultur- und Forschungsprojekts „Kakanien revisited“ dokumentiert.

Solche Auftritte erweiterten das Programm um die Verbindung von Sprache, Klang und Performance.

Ein Abend über den Physiker Christian Doppler

Dass Buch & Wein auch wissenschaftliche und kulturhistorische Themen aufgriff, zeigt eine Veranstaltung vom 30. Oktober 2003.

Unter dem Titel eines literarisch-physikalischen Abends stand das Leben des österreichischen Physikers Christian Doppler im Mittelpunkt.

Peter M. Schuster hielt einen Vortrag und stellte seine biografische Arbeit über Doppler vor. Lothar Riedl präsentierte das Buch „Weltbewegend – unbekannt“. Anschließend las der Schauspieler und Arzt Johann Winkler aus einem Lyrikband von Schuster.

Der Abend ist im Tätigkeitsbericht des Christian-Doppler-Fonds dokumentiert. Dort wird Buch & Wein auch als Veranstaltungsstätte des Kulturvereins Schäffergasse genannt.

Die Kombination von wissenschaftlicher Biografie, Vortrag und literarischer Lesung veranschaulicht die Offenheit des Veranstaltungsprogramms.

Buchpremieren als persönliche Begegnung zwischen Autoren und Publikum

Neben den großen Namen der Literaturszene waren auch Buchvorstellungen ein wesentlicher Bestandteil der Veranstaltungsarbeit.

Wie ein solcher Abend tatsächlich ablaufen konnte, zeigt eine ausführliche Fotodokumentation der Schriftstellerin Sabina Naber.

15. März 2005: Sabina Naber präsentiert „Die Debütantin“

Am 15. März 2005 stellte Sabina Naber ihren Roman „Die Debütantin“ im Antiquariat vor.

Richard Jurst begrüßte das Publikum und führte in die Veranstaltung ein. Der Musiker Frizz Fischer begleitete die Lesung mit eigenen Kompositionen. Für die technische Umsetzung war Alfred Krejcu beteiligt.

Nach der Lesung folgten Gespräche mit den Gästen, eine Signierstunde und ein längeres geselliges Beisammensein.

Die Autorin dokumentierte den Abend in einer eigenen Bildergalerie mit Eindrücken von der Vorbereitung, der Lesung und den Gesprächen danach.

Dieser Bericht vermittelt ein besonders konkretes Bild davon, was kleine Literaturveranstaltungen auszeichnete: Autorinnen und Autoren standen nicht nur auf einer Bühne, sondern waren für ihr Publikum unmittelbar ansprechbar.

8. März 2005: Edith Binderhofer und die Lebensgeschichten asiatischer Frauen

Anlässlich des Internationalen Frauentags fand am 8. März 2005 eine weitere Buchpräsentation statt.

Edith Binderhofer stellte „Der Himmel in meinem Land hat eine andere Farbe“ vor. Das Buch versammelt Gespräche und Lebensgeschichten asiatischer Frauen in Wien.

Die Veranstaltung wurde gemeinsam mit der Edition Roesner angekündigt und beschäftigte sich mit Migration, persönlichen Lebenswegen, kulturellen Vorstellungen und gesellschaftlichen Vorurteilen.

Auch dieses Beispiel unterstreicht, dass Literaturabende bei Buch & Wein gesellschaftliche Themen zur Diskussion stellten.

Zusammenarbeit mit Wiener Kultureinrichtungen

Ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte von Buch & Wein war die Zusammenarbeit mit anderen Veranstaltern.

Das Antiquariat war nicht ausschließlich eine unabhängige Bühne, sondern Teil eines Netzwerks literarischer Einrichtungen und Initiativen.

Alte Schmiede und Grazer Autorinnen Autorenversammlung

Der Auftritt von H. C. Artmann und Peter Rosei im Juli 2000 zeigt die Zusammenarbeit mit der Alten Schmiede und der Grazer Autorinnen Autorenversammlung.

Die Veranstaltungsreihe „Club Poétique“ wurde in das Jubiläumsprogramm der Alten Schmiede eingebunden. Buch & Wein stellte dafür den Veranstaltungsraum zur Verfügung.

Diese Zusammenarbeit ermöglichte es, ein übergreifendes Wiener Literaturprogramm auf unterschiedliche Orte zu verteilen.

Schule für Dichtung: Literarische Workshops im Antiquariat

Auch im Programm zum zehnjährigen Bestehen der Schule für Dichtung in Wien war Buch & Wein vertreten.

Für den Zeitraum vom 15. bis 17. Oktober 2002 ist im offiziellen Jubiläumsprogramm die „ÖKS-Literaturschule: wortlaut“ im Antiquariat angegeben.

Während das gesamte Jubiläum zahlreiche bekannte Veranstaltungsorte in Wien einbezog, war Buch & Wein als eigenständiger Programmpunkt vertreten.

Das zeigt, dass die Räume auch für literarische Lern- und Austauschformate genutzt wurden.

Richard Jurst organisierte auch Veranstaltungen außerhalb des Antiquariats

Besonders bemerkenswert ist, dass Richard Jurst die Literaturveranstaltungen nicht ausschließlich auf seine eigenen Räumlichkeiten beschränkte.

Am 6. Dezember 2001 organisierte Buch & Wein beispielsweise eine Lesung mit dem deutschen Schriftsteller und Satiriker Robert Gernhardt.

Diese Veranstaltung fand nicht im Antiquariat statt, sondern im Festsaal des Wiener Theresianums in der Favoritenstraße.

Gernhardt präsentierte unter dem Titel „Reim und Zeit“ seine poetischen Arbeiten. Die Tageszeitung Der Standard berichtete ausführlich darüber.

Der Wechsel auf einen größeren Veranstaltungsort zeigt, dass Buch & Wein auch als Organisator über das eigene Kellerlokal hinaus wirkte.

Wie Buch & Wein die Wiener Veranstaltungskultur bereicherte

Die kulturelle Bedeutung von Buch & Wein lässt sich nicht allein anhand der Zahl von 500 Lesungen erklären.

Wichtiger ist die Vielfalt der Veranstaltungen und die Rolle des Antiquariats als Vermittler zwischen Literatur, Autorinnen und Autoren, kulturellen Organisationen und Publikum.

Eine kleine Bühne für bekannte und weniger bekannte Stimmen

Das Programm brachte renommierte Schriftsteller wie Robert Menasse, H. C. Artmann und Ulrich Plenzdorf mit kleineren literarischen Projekten und experimentellen Formaten zusammen.

So entstand ein Veranstaltungsprofil, das sich nicht ausschließlich an bekannten Namen orientierte.

Literatur als persönliches Erlebnis

Die erhaltenen Berichte zeigen wiederholt, dass Lesungen mit Musik, Gesprächen und geselligen Treffen verbunden wurden.

Der enge Veranstaltungsraum war dabei kein bloßer Ersatz für einen großen Vortragssaal. Er ermöglichte eine andere Form der Begegnung, bei der Vortragende und Publikum unmittelbar miteinander in Kontakt kommen konnten.

Neue Veranstaltungsformate bekamen eine erste Bühne

Der deutlichste Beleg dafür ist die Wiener Kriminacht.

Die erste Ausgabe im November 2002 zeigt, wie ein unabhängiger Veranstaltungsort eine Idee aufgreifen und praktisch umsetzen konnte, bevor daraus ein größeres Format entstand.

Das Antiquariat war damit nicht nur Aufführungsort, sondern auch ein Ausgangspunkt für eine spätere Veranstaltungstradition.

Vernetzung zwischen Kultur, Wissenschaft und Literatur

Die Zusammenarbeit mit der Alten Schmiede, der Schule für Dichtung und dem Christian-Doppler-Fonds zeigt, wie unterschiedlich die Partner des Antiquariats waren.

Es fanden nicht nur belletristische Lesungen statt, sondern auch Veranstaltungen zu Wissenschaft, Erinnerungskultur und literarischer Sprachkunst.

Diese Bandbreite ist für die historische Einordnung besonders relevant. Sie macht Buch & Wein zu einem Beispiel für die Vielfalt kleiner Wiener Kulturinitiativen um die Jahrtausendwende.

Literaturförderung und eine dokumentierte Doppel-CD

Die außergewöhnliche Anzahl an Lesungen erforderte eine kontinuierliche Organisation. Hinweise auf die institutionelle Unterstützung lassen sich in den offiziellen österreichischen Kunstberichten finden.

Der Kunstbericht 2002 führt für die Lesungen des Antiquariats eine Förderung von 10.300 Euro an. Im Kunstbericht 2006 ist das Jahresprogramm Literatur mit 7.300 Euro verzeichnet.

Besonders interessant ist ein weiterer Eintrag aus dem Kunstbericht 2002: Unter den geförderten Buch- und CD-Projekten wird eine Doppel-CD mit dem Titel „Lesungen in Buch & Wein“ genannt.

Damit ist auch die finanzielle Unterstützung eines Tonträgerprojekts dokumentiert, das sich unmittelbar mit den Veranstaltungen im Antiquariat befasste.

Welche Lesungen auf der Doppel-CD vollständig enthalten waren und in welcher Auflage sie erschien, lässt sich anhand dieses Kunstberichtseintrags allein nicht feststellen.

Als historischer Hinweis ist der Eintrag dennoch wertvoll. Er zeigt, dass die Lesungen nicht ausschließlich als vergängliche Einzelabende wahrgenommen wurden, sondern auch Gegenstand eines eigenen Dokumentationsprojekts waren.

5. Mai 2006: Die 500. Lesung als Jubiläum

Nach acht Jahren Veranstaltungsarbeit erreichte Buch & Wein im Frühjahr 2006 einen bemerkenswerten Meilenstein.

Am 5. Mai 2006 organisierte Richard Jurst eine Jubiläumsveranstaltung zur 500. Lesung.

Die Schriftstellerin Sabina Naber hielt diesen Abend in einer Fotogalerie fest. Ihrer Dokumentation zufolge waren Autorinnen und Autoren sowie langjährige Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter eingeladen.

Den Auftakt des Leseprogramms gestaltete Helmut Peschina mit Texten von Joseph Roth aus „Die Filiale der Hölle auf Erden“.

Die Jubiläumsveranstaltung macht den Umfang der über Jahre aufgebauten Literaturreihe besonders anschaulich. Aus einer kleinen Bühne im Wiener Souterrain war ein regelmäßig bespielter Veranstaltungsort geworden, an dem sich unterschiedliche literarische Interessen begegneten.

2006 endete schließlich die Geschichte des Antiquariats als regelmäßiger Literaturveranstaltungsort.

Was nach Buch & Wein geschah

Der Name und das Veranstaltungskonzept verschwanden nach dem Ende des Wiener Antiquariats nicht sofort aus der Kulturberichterstattung.

Im Jahr 2008 versuchte Richard Jurst, Teile der ursprünglichen Idee im Kulturlabor Stromboli in Hall in Tirol aufzugreifen.

Das Projekt bestand allerdings nur kurze Zeit. Bei einer Veranstaltung war auch Hermes Phettberg beteiligt, der zuvor mehrfach bei Buch & Wein aufgetreten war.

Ein zeitgenössischer Bericht im Standard dokumentierte diesen Versuch einer Fortsetzung.

Eine dauerhafte Weiterführung der Wiener Lesungsreihe mit ihren ursprünglich 500 Veranstaltungen ist daraus nicht hervorgegangen.

Die Geschichte des Antiquariats blieb jedoch durch Medienberichte, Autorenarchive und amtliche Kulturunterlagen erhalten.

buchundwein.at: Die ehemalige Website des Antiquariats

Die Internetdomain buchundwein.at war die frühere Webadresse des Antiquariats und seiner Literaturveranstaltungen.

In zeitgenössischen Veranstaltungsankündigungen wurde ausdrücklich auf diese Adresse verwiesen. So führten Artikel im Standard aus dem Jahr 2005 neben dem Veranstaltungsort auch die damalige Website an.

Heute ist der ursprüngliche Veranstaltungsauftritt nicht mehr als historisches Gesamtarchiv verfügbar.

Ein vollständiger Veranstaltungskalender mit allen 500 Lesungen lässt sich deshalb aus der früheren Domain nicht mehr zuverlässig rekonstruieren.

Erhalten sind jedoch zahlreiche Einzelankündigungen, Programme anderer Kultureinrichtungen, persönliche Dokumentationen von Mitwirkenden und behördliche Förderberichte.

Gemeinsam ermöglichen diese Quellen einen nachvollziehbaren Rückblick auf einen ehemaligen Wiener Veranstaltungsort.

Fazit: Buch & Wein war ein wichtiger Teil der Wiener Literaturveranstaltungen

Das Antiquariat Buch & Wein zeigt, welche kulturelle Wirkung ein kleiner, unabhängiger Veranstaltungsort entfalten kann.

Zwischen 1998 und 2006 organisierte Richard Jurst rund 500 Lesungen in der Wiener Schäffergasse. Das Programm umfasste bekannte österreichische und internationale Autoren ebenso wie kleinere Literaturinitiativen, Musikperformances und gesellschaftlich relevante Themenabende.

Besonders nachhaltig war die erste Wiener Kriminacht vom 21. November 2002. Aus diesem ursprünglichen Literaturabend entwickelte sich in den folgenden Jahren ein größeres Veranstaltungsformat.

Auch die Zusammenarbeit mit der Alten Schmiede, der Schule für Dichtung und weiteren Kulturorganisationen verdeutlicht, dass Buch & Wein über seine Funktion als Antiquariat hinausging.

Der Veranstaltungsort ist längst Geschichte. Seine dokumentierten Lesungen, die kulturellen Kooperationen und die Verbindung zur Entstehung der Wiener Kriminacht machen ihn jedoch zu einem bemerkenswerten Kapitel der Wiener Literatur- und Veranstaltungsgeschichte.

Häufige Fragen zum Antiquariat Buch & Wein in Wien

Was war Buch & Wein in Wien?

Buch & Wein war ein Antiquariat und literarischer Veranstaltungsort im vierten Wiener Gemeindebezirk. Von 1998 bis 2006 organisierte Richard Jurst dort rund 500 Lesungen, Buchpräsentationen und weitere Kulturabende.

Wo befand sich das Antiquariat Buch & Wein?

Das Antiquariat befand sich in der Schäffergasse 13a, 1040 Wien, im Bezirk Wieden. Die Lesungen fanden überwiegend in einem Keller- beziehungsweise Souterrainlokal statt.

Wer war Richard Jurst?

Richard Jurst war ein Wiener Buchhändler, Antiquar und Literaturveranstalter. Er betrieb Buch & Wein und organisierte dort ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm. Darüber hinaus veranstaltete er einzelne Literaturabende an anderen Wiener Kulturorten.

Welche bekannten Schriftsteller lasen bei Buch & Wein?

Dokumentiert sind unter anderem H. C. Artmann, Peter Rosei, Robert Schindel, Doron Rabinovici, Robert Menasse, Milo Dor, Vladimir Vertlib, Ulrich Plenzdorf und Arnold Stadler. Hinzu kamen zahlreiche weitere Autoren sowie Literatur- und Performancekünstler.

Wann fand die erste Wiener Kriminacht statt?

Die erste Wiener Kriminacht fand am 21. November 2002 im Antiquariat Buch & Wein statt. Sabina Naber und Andreas Pittler gehörten zu den Initiatoren. Aus diesem Format entwickelte sich in den Folgejahren eine größere Wiener Kriminacht.

Wie viele Lesungen gab es bei Buch & Wein?

Für den Zeitraum von 1998 bis 2006 sind insgesamt rund 500 Lesungen dokumentiert. Die 500. Lesung wurde am 5. Mai 2006 mit einer Jubiläumsveranstaltung gefeiert.

Gab es bei Buch & Wein auch Musik und andere Veranstaltungen?

Ja. Das Programm umfasste unter anderem musikalisch begleitete Lesungen, Sprachperformances, Lautkonzerte, Buchpremieren und Vorträge. Auch eine literarisch-wissenschaftliche Veranstaltung zu Christian Doppler ist dokumentiert.

Wurde das Antiquariat öffentlich gefördert?

Ja. Mehrere offizielle Kunstberichte der Republik Österreich verzeichnen Förderungen für das Literaturprogramm beziehungsweise für Lesungen des Antiquariats. Für 2002 sind beispielsweise 10.300 Euro im Bereich der Literaturveranstaltungen angeführt.

Existiert Buch & Wein in Wien noch?

Nein. Die ursprüngliche Veranstaltungsreihe des Antiquariats endete 2006. Die Geschichte des Ortes ist aber durch Zeitungsberichte, Autorenarchive und historische Programme weiterhin dokumentiert.

Was ist aus der Website buchundwein.at geworden?

buchundwein.at war die frühere Internetadresse des Antiquariats. Der ursprüngliche Veranstaltungsauftritt steht heute nicht mehr als vollständiges Archiv zur Verfügung. Einzelne historische Lesungen lassen sich weiterhin anhand unabhängiger Quellen nachvollziehen.

Quellen und weiterführende Informationen

Für diesen historischen Nachbericht wurden zeitgenössische Veranstaltungsankündigungen, amtliche Kunstberichte, Programme von Literaturinstitutionen, Interviews und persönliche Dokumentationen von Mitwirkenden ausgewertet. Die folgenden Quellen enthalten weitere Informationen zu den genannten Lesungen und zur Geschichte von Buch & Wein.

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